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Urfttalsperre



Die Urfttalsperre ist eine 58,50 m hohe, seit 1905 existierende Talsperre im Südwestteil von Nordrhein-Westfalen (Deutschland), welche die Urft im Kreis Euskirchen zum 2,16 km² großen Urftstausee (»Urftsee«) aufstaut.
Die Urfttalsperre, welche von 1900 bis 1905 errichtet wurde, und der »Urftstausee«, als damals größter europäischer Stausee angelegt, gehören seit 1993 dem Wasserverband Eifel-Rur an.


Geographische Lage
Die aus »Urfttalsperre« und »Urftstausee« bestehende »Stauanlage Urftstausee« befindet sich in der Rureifel (Teil der Nordeifel) südlich vom Kermeter beziehungsweise nord-nordöstlich der Dreiborner Hochfläche zwischen Simmerath-Rurberg (benachbarter Kreis Düren) im West-Nordwesten und Schleiden-Gemünd (Kreis Euskirchen) im Ost-Südosten. Sie liegt unmittelbar oberhalb des Obersees (Haupt-Vorbecken des Rurstausees), in dem das Wasser von Urft und Rur aufgestaut wird, und erstreckt sich im 2004 gegründeten Nationalpark Eifel, der von den Grenzen des Naturpark Hohes Venn – Eifel umrahmt ist.

Talsperre
Die »Urfttalsperre«, die eine in Richtung Wasserseite gebogene Gewichtsstaumauer mit wasserseitiger Erdvorschüttung (»Intze-Keil«) bis etwa zur halben Staumauerhöhe ist, steht rund 6,8 km (Luftlinie) west-nordwestlich des nördlichen Schleidener Stadtteils Gemünd (Kreis Euskirchen).
Sie wurde von 1900 bis 1905 erbaut. Die Generalplanung der Sperrmauer wurde von Prof. Dr. Otto Intze aus Aachen entwickelt und nach dem so genannten Intze-Prinzip errichtet; Intze hatte auch die Bauleitung inne. Für die Mauererrichtung wurde zum Transport von Menschen und Material von Gemünd eine Eisenbahnstrecke zur Mauerbaustelle angelegt. Gemauert mit Bruchsteinen aus örtlich abgebauter Grauwacke und Tonschiefer ist die Sperrmauer über der Gründungssohle 58,5 m hoch und an ihrer Krone rund 226 m lang sowie an ihrer Krone 6 m und an ihrem Fuß 50,5 m breit.
Bei ihrer Fertigstellung hatte die »Urfttalsperre« Modellcharakter für viele weitere Projekte im In- und Ausland, nachdem zum Ende des 19. Jahrhunderts die Wasserwirtschaft durch die Industrialisierung immer wichtiger wurde. Im November 1904 begann der Probestau, die wasserwirtschaftliche Abnahme erfolgte am 26. August 1905.

Von der »Urfttalsperre« durch den Sockel einer schmalen Halbinsel getrennt befindet sich nördlich der Mauer die Hochwasserentlastung als Überfallwehr mit maximal 91 m Breite und Kaskaden mit insgesamt 33 Stufen. Innerhalb der Mauer wurden im Abstand von 2,5 m vertikal Tonröhren verbaut, die eindringendes Wasser ableiten.
Mehrere Grundablasstürme gewähren Zugang zu zwei in unterschiedlicher Tiefe verlaufenden Kontrollgängen, durch die der Zustand der »Urfttalsperre« geprüft werden kann. Der untere Kontrollgang verläuft entlang ihrer Gründungsfuge. In den Jahren 1994 bis 2000 wurde die Sperrmauer gründlich saniert. Unter anderem wurde das Problem des Sohlwasserdrucks gelöst. Außerdem bekam sie zwei Kontrollgänge, die durch Sprengungen vorgetrieben wurden, insgesamt 320 m lang, durchschnittlich 3,10 m hoch und 2,40 m breit sind und zudem eine neue Abdichtung, eine Entwässerung und zahlreiche Messeinrichtungen.

Der Wasserverband Eifel-Rur, der seit dem 1. Januar 1993 nach einer organisatorischen bzw. 1990 beginnenden Übergangszeit besteht, feierte das 100-jährige Jubiläum der »Urfttalsperre« am 26. August 2005.
Seit die »Rurtalsperre« fertiggestellt ist, ist die »Urfttalsperre« nicht nur wasserseitig sondern auch an der Luftseite durch das Wasser des direkt flussabwärts unterhalb der „Urfttalsperre“ befindlichen „Rurstausees“ insgesamt 12 m hoch eingestaut.

Stausee
Der „Urftstausee“ („Urftsee“), der voll aufgestaut 7,85 km lang ist (laut Deutscher Grundkarte; die Luftlinie zwischen See-Ende und Staumauer umfasst circa 3,9 km), 2,16 km² Gesamtfläche und 47,75 Mio. m³ Stauraum aufweist, befindet sich innerhalb des Kreises Euskirchen südlich vom Höhenzug Kermeter, west-nordwestlich des Schleidener Stadtteils Gemünd bzw. etwas unterhalb von dessen Ortsteil Malsbenden. Ortschaften, von denen Zugang zum von der aus Richtung Osten kommenden Urft durchflossenen Stausee möglich ist, sind Gemünd und Malsbenden oder in Richtung Süden durch den Kermeter fahrend Heimbach.
An das Nordwestende des windungsreichen „Urftstausees“ grenzt direkt unterhalb der „Urfttalsperre“ der Obersee an, der als Haupt-Vorbecken des Rurstausees dient und in dem neben der Rur auch die Urft aufgestaut wird. Im „Urftstausee“ (322,5 m ü. NN), der von waldreicher Landschaft umsäumt ist, liegt die Insel „Krummenauel“ (max. 339,6 m ü. NN) und in ihn hinein ragen die Halbinseln am „Altenberg“ („Auf dem Altenberg“; max. 351,5 m ü. NN), am „Neffgesberg“ (max. 370 m ü. NN) und am „Hosterauel“ (max. 366,7 m ü. NN), die je nach Wasserstand auch zu Fuß zu erreichen sind.

Geschichte
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde oberhalb des „Urftstausees“ die NS-Ordensburg Vogelsang errichtet. Vogelsang war jedoch kein Teil des nationalsozialistischen Elite-Erziehungsprogramms Napola und enthielt in den letzten Kriegsjahren auch keinen Lebensborn.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war der Bereich um den „Urftstausee“ Teil der Schlacht im Hürtgenwald, deren Hauptkampfgebiet sich im durchschnittlich 15 km nord-nordwestlich gelegenen Hürtgenwald befand. Die Alliierten versuchten vergebens, die Staumauer aus der Luft zu zerstören. In die Staumauer wurden durch Flieger- und Sprengbomben fünf Scharten mit Tiefen von 1,50 bis 3,50 m geschlagen. Die Brüstungsmauern zu beiden Seiten der Mauerkrone und die Schiebertürme wurden völlig zerstört. Deutsche Truppen hatten zudem die Verschlüsse des Kermeterstollens am Kraftwerk Heimbach gesprengt und die Grundablässe der Staumauer geöffnet, woraufhin die Talsperre vollkommen leer lief. Die Kriegsschäden an der Talsperre wurden von 1945 bis 1950 beseitigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der „Urftstausee“ als Teil des belgischen Truppenübungsplatzes Vogelsang für die Öffentlichkeit nahezu flächendeckend unzugänglich.
Seit dem Abzug des belgischen Militärs zum 31. Dezember 2005 ist der „Urftstausee“ ein Kernstück des 2004 gegründeten Nationalparks Eifel. Neue Fahrrad- und Wanderstrecken entlang des Nordufers nach Gemünd sowie von der Sperrmauer südlich über die Dreiborner Hochfläche und Wollseifen nach Einruhr, Dreiborn und Herhahn wurden von der Nationalparkverwaltung eingerichtet und markiert.

Nutzung und Wasserkraftwerk
Neben der Wasserstandsregulierung der etwas unterhalb an der „Urfttalsperre“ vorbeifließenden Rur dienen „Urfttalsperre“ und „Urftstausee“ dem Hochwasserschutz sowie der Niedrigwasseraufhöhung und Stromerzeugung.
Zur Elektrizitätsgewinnung am „Urftstausee“ wurde der 2,7 km lange Kermeterstollen in Richtung Nord-Nordosten durch den Höhenzug Kermeter getrieben, der bei Heimbach an den südlichen Berghängen des Rurtals austritt und über Fallrohre das im Jugendstil errichtete Kraftwerk Heimbach versorgt. Das Wasserkraftwerk hat mit seinen zwei Francis-Turbinen eine Leistung von 16 MW.
Heutzutage werden Urft-, Rur- und die etwas weiter südlich gelegene Oleftalsperre im Verbund betrieben und sichern so die Verfügbarkeit von etwa 265 Millionen Kubikmeter Stauraum. Die Stauseen und ihre Umgebung sind von Wassersportlern und Erholungssuchenden geschätzte Naherholungsgebiete.

(Text: Wikipedia)

Urfttalsperre in Google Maps.






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